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Leitungen/Kabel

Grundlagen

Der Unterschied zwischen Leitungen und Kabel liegt in ihrem Aufbau und Verwendungszweck. Aufgrund geringerer Festigkeitswerte dürfen Leitungen im Gegensatz zu Kabeln nicht im Erdreich verlegt werden. Elektrische Anlagen dürfen nur mit Leitungen und Kabel installiert werden, die den VDE-Bestimmungen entsprechen. Die wichtigsten VDE-Bestimmungen dafür sind:

  • DIN VDE 0250 Isolierte Starkstromleitungen
  • DIN VDE 0271 Starkstromkabel für besondere Anwendungen
  • DIN VDE 0276 Starkstromkabel
  • DIN VDE 0281 Starkstromleitungen mit thermoplastischer Isolierhülle
  • DIN VDE 0282 Starkstromleitungen mit vernetzter Isolierhülle
  • DIN VDE 0293 Aderkennzeichnung
  • DIN VDE 0298 Verwenden von Kabeln und isolierten Leitungen für Starkstromanlagen
  • DIN VDE 0812 bis 0817 Bestimmungen für Fernmeldedrähte, -leitungen und -kabel

Harmonisierte Leitungen sind solche Leitungen, die aufgrund der Typenvereinheitlichung international anerkannt sind.

VDE-Kennzeichen

Vom VDE zugelassene Leitungen und Kabel können mit einem schwarz-roten VDE-Kennfaden ausgestattet sein, während für harmonisierte Leitungen und Kabel ein schwarz-rot-gelber Kennfaden verwendet wird. Weiterhin werden Kunsstoffaderleitungen mit einem fortlaufenden VDE-Zeichenaufdruck ausgestattet und harmonisierte Leitungen mit der Kennzeichnung HAR. Daneben müssen Leitungen und Kabel zusätzlich einen Firmenkennfaden oder auf mindestens einer Ader fortlaufend einen Firmenaufdruck haben.

Bedeutung der Kurzzeichen

Durch Buchstaben- und Zahlenangaben werden Leitungen und Kabel gekennzeichnet. Aus diesen Kurzzeichen sind Aufbau, Verwendungszweck und Querschnitt erkennbar. Dabei geht die Reihenfolge von der Angabe der Normung über die Umhüllungen bis zu den Ader- und Querschnittsangaben. Es gibt dabei zwei verschiedene Arten der Kennzeichnung, einmal nach nationalen Normen und einmal die international harmonisierte Kennzeichnung. Diese sollte die nationalen Normen eigentlich zügig ablösen, allerdings sind bei einigen Leitungstypen immer noch die nationalen Kennzeichnungen üblich.

Leitungen nach deutschen Normen

Das „N“ am Anfang der Kennzeichnung gibt an, dass es sich um eine Normenleitung handelt. Dahinter werden weitere Buchstaben angefügt, durch die sich die Bauart ergibt. Dabei gibt die Reihenfolge den Aufbau von innen nach außen an.

Beispiel

Ein Beispiel für die Kennzeichnung nach nationaler Norm ist: NYM-J 3×1,5

  • N = Normenleitung
  • Y = Isolierung der Adern aus Polyvinylchlorid (PVC)
  • M = Mantelleitung
  • -J = mit grün-gelbem Schutzleiter
  • 3 = Anzahl der Adern
  • x = „mal“
  • 1,5 = Leiterquerschnitt in mm²

Typenkurzzeichen

Die einzelnen Kurzzeichen bedeuten:

1. Block für Leitungen

  • A: Ader, Aluminiumumhüllung, Aluminiumader (Al)
  • B: Bleimantelleitung
  • C: konzentrische Leiter (abgeschirmt)
  • D: Drillingsleitung
  • F: feindrähtig, Fassungsader, Flachleitung
  • G: Gummihülle, 2-G-Silikonkautschuk (mit erhöhter Wärmebeständigkeit)
  • H: Hülle (Schirmgeflecht für Abschirmungszwecke, verwendbar für Handgeräte, z.B. Bohrmaschinen)
  • I: Imputzverlegung
  • (J): Zusatz bei Mehraderleitungen mit gn-ge-farbenem Schutzleiter
  • K: Korrosionsschutz
  • L: für leichte mechanische Beanspruchung (z.B. Leuchtröhren)
  • M: Mantel, mittlere mechanische Beanspruchung
  • N: Normenleitung
  • (O): Zusatz bei Mehraderleitungen ohne gn-ge-farbenen Schutzleiter
  • ö: ölfest
  • P: Papierumhüllung
  • R: Rohrdraht, gefalzte Rohrumhüllung, gerillte Umhüllung
  • S: Schnur, Segeltuchhülle, für schwere mechanische Beanspruchung
  • T: Trosse
  • U: Umhüllung
  • u: unentflammbar bzw. flammwidrig
  • V: Verdrahtungsleitung
  • v: verdrehbeanspruchungsfest
  • W: wetterfest
  • Y: Kunststoffisolierung (Thermoplaste wie z.B. PVC)
  • Z: Zinkmantel, Zwillingsader, Zugentlastung

1. Block für Kabel

  • A: nach N: Al-Leiter, am Ende: Außenhülle aus Jute
  • B: Stahlbandbewehrung
  • C: konzentrischer Leiter bzw. Schirm aus Kupferdrähten oder -bändern
  • CW: konzentrischer Leiter aus Kupfer, wellenförmig aufgebracht
  • CE: Einzeladerschirmung
  • D: Druckbandage aus Metallbändern
  • E: nach N: Einzeladerschirmung, am Ende: Schutzhülle aus Kunststoffband
  • F: Flachdrahtbewehrung
  • fl: flammwidrig
  • Gb: Stahlbandgegenwendel
  • H: Kabel mit metallisierten Einzeladern (Höchstädter Kabel)
  • K: Kabel mit Bleimantel
  • L: glatter Aluminiummantel
  • N: Kabel nach Norm
  • O: offene Stahldrahtbewehrung
  • Ö: Ölkabel
  • Q: Beflechtung aus verzinktem Stahldraht
  • R: Runddrahtbewehrung, Rostschutzanstrich
  • S: Kupferschirm (> 6 mm²) zwecks Berührungsschutz oder zur Fortleitung von Fehlerströmen
  • SE: anstatt H; analog zu S, jedoch für Mehraderkabel; dann jeweils für jede Ader
  • u: unmagnetisierbar
  • WK: Stahlwellenmantel
  • W: Kupferwellenmantel
  • w: wärmebeständig
  • 2X: Isolierung aus vernetztem Polyethylen (VPE)
  • Y: Kunststoffisolierung
  • 2Y: Isolierung aus thermoplastischem Polyethylen (PE)
  • YY: Kunststoffaußenmantel
  • Z: Bewehrung aus Stahlprofildraht

2. Block Leiterquerschnitt

  • Zahl = Anzahl der Adern
  • x = „mal“; G = „mal“, jedoch mit einem Schutzleiter, X= „mal“, aber ohne Schutzleiter
  • Zahl = Aderquerschnitt in mm²
  • Es gibt Querschnitte von 0,5 mm² bis 500 mm², zusätzlich in der Nachrichtentechnik Adern von 0,6 mm und 0,8 mm Durchmesser

3. Block Leiteraufbau

  • re: eindrähtiger Rundleiter
  • rf: feindrähtiger Rundleiter
  • rm: mehrdrähtiger Rundleiter
  • se: eindrähtiger Sektorleiter
  • sm: mehrdrähtiger Sektorleiter

4. Block Schutzleiter

  • -J: Leitung hat grün-gelb gekennzeichnete Ader
  • -O: Leitung hat keine grün-gelb gekennzeichnete Ader

Häufig verwendete Leitungstypen

Stegleitung

  • NYIF-J
  • NYIF-O

Installationsleitung für Telekommunikation

J-2Y(St)Y-2x2x0,6

  • J: Installationskabel
  • 2Y: Leiterisolierung aus PE
  • St: Elektrostatischer Schirm (Metallband, auch kunststoffkaschiert)
  • Y: Mantel/Schutzhülle aus PVC
  • 2x2x0,6: 2 Paare (= 4 Adern) mit Leiterdurchmesser 0,6 mm

Gummischlauchleitung

  • NSSHöu-J für sehr hohe mechanische Beanspruchungen
  • NSSHöu-O für sehr hohe mechanische Beanspruchungen

Kabel

  • NYY-J (Kabel mit Isolierung und Schutzhülle aus PVC)
  • NYCWY
  • NAYY (Kabel mit Aluminiumleitern)

Mantelleitung

  • NYM-J
  • NYM-O
  • NYM(ST)-J
  • NHXMH (halogenfreie Installationsleitung mit verbessertem Verhalten im Brandfall)

Kurzschlussfeste Aderleitung

  • NSGAFöu (Flexible Einzeladergummileitung)

Harmonisierte Leitungen

1976 wurde von CENELEC ein innerhalb Europa harmonisiertes Kurzzeichensystem zur einheitlichen Kennzeichnung von elektrischen Leitungen entwickelt. Die Kennzeichnungen geben dabei alle nötigen Informationen zum Aufbau und den Verwendungsmöglichkeiten der Leitung.

Beispiel

kurzzeichensystem-leitung.jpg

Ein Beispiel für eine harmonisierte leitung ist: H 05 VV - F 5 G 1,5

  • H = Harmonisierte Leitung
  • 05 = zugelassen für 300 V Spannung zwischen Außenleiter und dem Erdpotential und 500 V zwischen den Außenleitern
  • V = Isolierung der Adern aus PVC
  • V = Mantel der Leitung aus PVC
  • F = feindrähtig (flexible Leitung)
  • 5 = Anzahl der Adern
  • G = mit grün-gelbem Schutzleiter
  • 1,5 = Leiterquerschnitt in mm²

Typenkurzzeichen

Die einzelnen Kurzzeichen bedeuten:

Kennzeichnung der Bestimmung

  • A: Anerkannter nationaler Typ
  • H: Harmonisierter Typ

Nennspannung U

  • 01: 100/100 V
  • 03 : 300/300V
  • 05 : 300/500 V
  • 07 : 450/750 V

Die erste Spannung ist der maximal zulässige Effektivwert zwischen Außenleiter und Erde, der zweite zwischen zwei Außenleitern derselben Leitung.

Isolierwerkstoff

  • B: Ethylen-Propylen-Kautschuk
  • G: Ethylen-Vinylacetat-Copolymer
  • N2: Chloropren-Kautschuk für Schweißleitungen
  • R: Natur- u./o. synthetischer Kautschuk
  • S: Silikon-Kautschuk
  • V: Polyvinylchlorid (PVC)
  • V2: Polyvinylchlorid wärmebeständig
  • V3: Polyvinylchlorid kältebeständig
  • V4: Polyvinylchlorid vernetzt
  • Z: Polyethylen vernetzt

Aufbauelemente

  • C: Schirm
  • Q4: Zusätzliche Polyamidaderumhüllung
  • T: Zusätzliches Textilgeflecht über verseilten Adern
  • T6: Zusätzliches Textilgeflecht über Einzelader

Mantelwerkstoff

  • B: Ethylen-Propylen-Kautschuk
  • J: Glasfasergeflecht
  • N: Chloropren-Kautschuk
  • N2: Chloropren-Kautschuk für Schweißleitungen
  • N4: Chloropren-Kautschuk wärmebeständig
  • Q: Polyurethan
  • R: Natur- u./o. synthetischer Kautschuk
  • T: Textilgeflecht
  • T2: Textilbeflechtung mit flammwidriger Masse
  • V: Polyvinylchlorid (PVC)
  • V2: Polyvinylchlorid wärmebeständig
  • V3: Polyvinylchlorid kältebeständig
  • V4: Polyvinylchlorid vernetzt
  • V5: Polyvinylchlorid ölbeständig

Besonderheiten im Aufbau

  • D3: Zugentlastungselemente (Tragorgan)
  • D5: Kerneinlauf (kein Tragelement)
  • FM: Fernmeldeadern in Starkstromleitungen
  • H: Flache, aufteilbare Leitung (Zwillingsleitung)
  • H2: Flache, nicht aufteilbare Leitung (zweiadrige Mantelleitung)
  • H6: Flache, nicht aufteilbare Leitung (mehr- und vieladrige Mantelleitung)
  • H7: Isolierhülle zweischichtig
  • H8: Wendelleitungen

Leiterart

  • -D: Feindrähtig, für Schweißleitungen
  • -E: Feinstdrähtig, für Schweißleitungen
  • -F: Feindrähtig bei flexiblen Leitungen
  • -H: Feinstdrähtig bei flexiblen Leitungen
  • -K: Feindrähtig bei Leitungen für feste Verlegung
  • -R: Mehrdrähtig, rund, Klasse 2
  • -U: Eindrähtig, rund, Klasse 1
  • -Y: Lahnlitze

Aderzahl

  • Zahl = Anzahl der Adern

Schutzleiter

  • G: mit grün-gelbem Schutzleiter
  • X: ohne grün-gelben Schutzleiter

Aderquerschnitt

  • Zahl = Aderquerschnitt in mm²

Häufig verwendete Leitungstypen

Gummischlauchleitung

  • H05RR-F für geringe mechanische Belastung, nicht für die Verwendung im Freien
  • H05RN-F für hohe mechanische Belastung, auch für die dauerhafte Verwendung im Freien mit einer Bemessungsspannung von 500 V
  • H07RN-F für hohe mechanische Belastung, auch für die dauerhafte Verwendung im Freien mit einer Bemessungsspannung von 750 V

Kunststoffschlauchleitung

  • H05-VV-F
  • H05-V2V2-F
  • H03-VV-F

Aderkennzeichnung

Außenleiter, Neutralleiter, PEN-Leiter und Schutzleiter lassen sich durch genormte Kennbuchstaben und Aderfarben unterscheiden. Es besteht zur Zeit aber nur für den Schutzleiter auf internationaler Ebene eine einheitliche Normung bei der Farbgebung. Die alten Leiterfarben dürfen bei Neuinstallationen nicht mehr verwendet werden und müssen an das neue Farbsystem angepasst werden. Es gibt Mehraderleitungen sowohl mit einem gn/ge-farbenen Schutzleiter, Kennzeichnung J oder G, als auch ohne, Kennzeichnung O oder X.

Leiterbezeichnung Farbgebung
alt neu alt bis April 2006 neu
Außenleiter R, S, T L1, L2, L3 sw, rt, bl sw, br, hbl sw, br, gr, hbl1
Mittelleiter / Neutralleiter Mp N gr hbl hbl
PEN-Leiter SL/Mp PEN gr gn/ge2 gn/ge2
Schutzleiter SL PE rt gn/ge gn/ge

1 Für die Außenleiter sollten bevorzugt die Farben br, sw, gr verwendet werden

2 PEN-Leiter sind nach erfolgter Installation an den Leiterenden zusätzlich hellblau zu markieren

Mögliche Aderfarben in Mehraderleitungen:

Anzahl der Adern Schutzleiter Aderfarben aktive Leiter
2 BlauBraun
3 BraunSchwarzGrau
31 BlauBraunSchwarz
3 Grün- Blau Braun
Gelb
4 BlauBraunSchwarzGrau
4 Grün- Braun Schwarz Grau
Gelb
41 Grün- Blau Braun Schwarz
Gelb
5 BlauBraunSchwarzGrauSchwarz
5 Grün- Blau Braun Schwarz Grau
Gelb

1 Blau gekennzeichnete Adern dürfen nur dann als Außenleiter benutzt werden, wenn kein Neutralleiter benötigt wird.

Bei vieladrigen Leitungen können die Adern alternativ auch durch Bedrucken gekennzeichnet werden, wobei alle Adern bis auf die grün-gelbe mit Ziffern gekennzeichnet werden. Die gn/ge-gekennzeichnete Ader darf nicht nummeriert werden, da sie als Schutzleiter dient. Weiterhin muss die Bedruckung gut lesbar sein und sich farblich deutlich von der Ader abheben, wobei diese nicht schwarz sein muss.

Kurzbezeichnungen der Farben
swschwarzbrbraun
rtrotgrgrau
blblaugngrün
hblhellblaugn/gegrün-gelb
liviolettwsweiß