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Programmierung der Busteilnehmer

In jeden Busankoppler muss bei der Inbetriebnahme über den PC und mit Hilfe der ETS ein Datensatz mit folgenden Komponenten geladen werden:

  • die physikalische Adresse
  • das Anwendungsprogramm (mit entsprechenden Parametrisierdaten und Gruppenadressen)

Physikalische Adresse

Sie ist eine eindeutige Geräteadresse durch die jeder Busteilnehmer gekennzeichnet ist. Mit Hilfe der ETS wird sie dem Busankoppler fest einprogrammiert. Bei der Inbetriebnahme wird sie dafür zyklisch auf den Bus gesendet bis an einem Busteilnehmer die Lerntaste gedrückt wird. Die LED des jeweiligen Busteilnehmers leuchtet dann erst auf und erlischt sobald der Busankoppler in seinem Speicher die physikalische Adresse übernommen hat. Gibt es bereits einen Teilnehmer im KNX-System mit der gesendeten physikalischen Adresse, erscheint eine Fehlermeldung und der Ladevorgang wird abgebrochen. Dadurch wird vermieden, dass es die gleiche physikalische Adresse für mehr als einen Teilnehmer im System gibt. Ein Busankoppler behält solange seine physikalische Adresse, bis ihm auf die gleiche Art und Weise eine neue zugeordnet wird.

Funktion der physikalischen Adresse

Ohne die physikalische Adresse kann kein Anwendungsprogramm in einen Teilnehmer geladen werden. Sie dient im normalen Betrieb zur Identifikation eines sendenden Teilnehmers, ist also die Quelladresse. Somit lässt sich immer eindeutig bestimmen, von welchem Teilnehmer das Telegramm auf den Bus gesendet wurde.

Aufbau der physikalischen Adresse

Durch die physikalische Adresse wird der topologische Ort eines Teilnehmers in einem KNX-System angegeben. Sie wird in der Schreibweise „Funktionsbereich . Linie . Teilnehmer“ beschrieben.

FunktionsbereichF = 1…15adressiert die Funktionsbereiche 1…15
F = 0adressiert Teilnehmer an der Bereichslinie
LinieL = 1…15adressiert die Linien 1…15 innerhalb des durch F
definierten Funktionsbereichs
L = 0adressiert Teilnehmer an der Hauptlinie im
jeweiligen Funktionsbereich
TeilnehmerT = 0…255 adressiert Teilnehmer innerhalb der durch L definierten Linie

Beispiele für physikalische Adressen:

phys. Adresse topologischer Einbauort
1.0.0Funktionsbereich 1, Linie 0, Teilnehmer 0 (Bereichskoppler 1)
1.1.0Funktionsbereich 1, Linie 1, Teilnehmer 0 (Linienkoppler)
1.1.1Funktionsbereich 1, Linie 1, Teilnehmer 1
1.12.63Funktionsbereich 1, Linie 12, Teilnehmer 63

Gruppenadresse

Die logische Gruppenadresse dient zur Funktionsfestlegung, also welcher Sensor welchen Aktor schaltet. Dabei erhalten mit Hilfe der ETS diejenigen Sensoren und Aktoren, die zusammenarbeiten, die gleiche Gruppenadresse. So wird softwareseitig eine Verbindungsleitung zwischen den Teilnehmern geschaffen. Also kommt sie im Gegensatz zur physikalischen Adresse mindestens zweimal oder auch mehrfach in einem KNX-System vor.

Funktion der Gruppenadresse

Wird von einem Sensor ein Telegramm auf den Bus gesendet, so ist die Zieladresse in diesem Telegramm die Gruppenadresse. Nun prüfen alle Aktoren, die das Telegramm empfangen, ob in ihrem Anwendungsprogramm eine Gruppenadresse ist, die der Zieladresse im Telegramm entspricht. Schließlich werten nur diejenigen Aktoren, die diese Gruppenadresse enthalten, die Nutzinformationen des Telegramms aus.

Aufbau der Gruppenadresse

Es können bei der Parametrisierung der Anlage ca. 32000 verschiedene Gruppenadressen nach Anwendungsgesichtspunkten vergeben werden. Sie wird in der Schreibweise „Hauptgruppe/Untergruppe“ oder alternativ „Hauptgruppe/Mittelgruppe/Untergruppe“ angegeben. Dabei dient diese Unterteilung nur der Übersichtlichkeit beim Projektieren der Anlage. Die Hauptgruppe dient zum strukturierten Aufbau bei der Planung der Funktionsfestlegung.

Zweistufige Darstellung
H = 0…31Hauptgruppe
U = 0…2047Untergruppe in der Hauptgruppe H
Dreistufige Darstellung
H = 0…31Hauptgruppe
M = 0…7Mittelgruppe in der Hauptgruppe H
U = 0…255Untergruppe in der Mittelgruppe M

Beispiel anhand der zweistufigen Darstellung:

Hauptgruppe 0 = Zentralfunktionen

Hauptgruppe 1 = Beleuchtung

Hauptgruppe 2 = Jalousie

Hauptgruppe 3 = Heizung

Hauptgruppe 4 = Bewegung

Hauptgruppe 5 = Lüftung

Gruppenadresse Funktion
0/1Zentralfunktion/Tageshelligkeit erreicht
0/2Zentralfunktion/Zeitpunkt Arbeitsende
1/1Beleuchtung/Raum 1 Beleuchtung Ein, Aus
2/1Jalousie/Raum 1 Auf, Ab
2/2Jalousie/Raum 1 Lamellenverstellung
3/1Heizung/Raum 1 Heizen Ein, Aus


Anwendungsprogramm

Damit ein Busteilnehmer funktionieren kann, muss das Anwendungsprogramm, das zum Bus-Endgerät gehört, in den Speicher des Busankopplers geladen werden. Wenn ein Busteilnehmer zusätzlich noch im Bus-Endgerät einen Mikrocontroller enthält, z.B. ein Anzeigedisplay, wird ein Teil des Anwendungsprogramms auch ins Endgerät geladen. Im Anwendungsprogramm werden festgelegt:

  • die Funktionsweise des Busteilnehmers
  • die zu sendenden und empfangenden Gruppenadressen
  • die Parameter, wie z.B. Zeitfunktionen, Funktionen der LEDs, Verhalten nach Busspannungswiederkehr usw.
  • die Priorität der zu sendenden Telegramme

Bezogen werden können die Anwendungsprogramme von den Geräteherstellern auf CD oder über das Internet. Dabei müssen die Komponenten Busankoppler, Bus-Endgerät und Anwendungsprogramm vom gleichen Hersteller sein. Es kann auch mehrere Anwendungsprogramme für ein Bus-Endgerät geben, die zu unterschiedlichen Funktionen führen. Durch ein erneutes Laden des Anwendungsprogramms ist es also möglich, die Gerätefunktion eines Teilnehmers immer wieder zu ändern.

Siehe auch