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Verteilungstechnik

Verteilerarten

Verteiler sind für die Unterputz- und Aufputzinstallation in verschiedenen Schutzarten z.B. für trockene und feuchte Räume erhältlich. So haben sich je nach Leistungen einige Fertigverteilerarten durchgesetzt, deren Konstruktionen sich voneinander unterscheiden. In Einfamilienhäusern mit kleinen Anschlusswerten können Normen-Zählertafeln (NZ) und Stromkreisverteiler in einem Schrank untergebracht werden, wobei meistens Aufputzverteiler zum Einsatz kommen. Ebenso gibt es aber auch fertige Zählerverteilerschränke als Baueinheit für die Unterputzinstallation.

In Mehrfamilienhäusern werden dagegen Zähler- und Verteileranlagen getrennt angeordnet. Dabei befinden sich die Zähler im Hausanschlussraum und in den Wohnungen einzelne Unterputzverteiler. Weiterhin gibt es Aufputzverteiler mit schwer entflammbaren Isolierstoff- oder Stahlblechabdeckungen. Für feuchte Räume zum Beispiel bieten sich entsprechend gekapselte Verteiler an, die sich nach einem Baukastenprinzip bis zu industriemäßigen Großverteilern erweitern lassen, womit sich auch kostspielige Sonderanfertigungen verhindern lassen. Auf Baustellen kommen die sogenannten Baustromverteiler zur Anwendung.

Kommt es trotzdem zum Selbstbau oder zu Erweiterungen muss auf eine ausreichende Tiefe für Zähler, Uhren, Automaten usw. geachtet werden. Auch spätere Stromkreiserweiterungen sind platz- und leistungsmäßig in die Planung mit einzubeziehen. Berührbare Metallteile, die eine unzulässig hohe Spannung führen können sind in die Schutzmaßnahme nach DIN VDE 0100 einzubeziehen. Weiterhin müssen vorgeschriebene Kriech- und Luftstrecken eingehalten werden und Verteiler zum Schutz gegen zufälliges Berühren unter Spannung stehender Teile durch Abdeckungen geschützt werden. Auf der Abdeckung sind Beschriftungen für die Sicherungen anzubringen, ebenso müssen N- und PE-Leiter gekennzeichnet werden. Allen Zu- und Abgängen ist eine einzeln lösbare Schutzleiterklemme zuzuordnen.

Zählerverteiler

Sie bestehen aus Kästen oder Schränken mit Feldern bzw. Tafeln zur Aufnahme von Zählern, Uhren, Sicherungsgruppen und gegebenenfalls Schaltern bzw. Relais. Anzuordnen ist ein Zähler möglichst in Augenhöhe, dass heißt seine Mitte soll zwischen 1,1 m und 1,85 m über dem Fußboden liegen. Die Rückwände von Zählernischen in Treppenhäusern und auf Wohnungswänden müssen feuerbeständig, schalldämmend und wärmedämmend ausgeführt sein. Zähler für Gemeinschaftsanlagen, Zeitschalter für die Treppenhausbeleuchtung und Klingeltransformatoren sind nach DIN 18013 im Erdgeschoss unterzubringen, wofür eine entsprechende Nischengröße zu wählen ist. Außerdem muss die Möglichkeit einer Erweiterung der Zähleranlage durch Einbau eines Steuergerätes gegeben sein, wobei ein Leerrohr für die Steuerleitung vorzusehen ist.

Bei Mehrfamilienhäusern wird das Steuergerät in der Zähleranlage, die am nächsten am Hausanschlusskasten sitzt, eingesetzt. Die Zähler in Zähleranlagen müssen gut zugänglich sein und ohne besondere Hilfsmittel abgelesen und untersucht werden können. Deshalb sind dafür leicht zugängliche Räume zu wählen, wie Treppenhäuser oder Vorräume. Es eignen sich nicht: Wohnräume, Betriebsstätten, Toiletten, Bade- und Waschräume, Küchen, Speicher, Kellerräume, feuchte Räume, feuergefährdete Betriebsstätten oder die Montage über Treppenstufen.

Verdrahtet werden die Zählertafeln mit isolierten Leitungen H07V-U, H07V-R oder H07V-K, bemessen mit einem passenden Querschnitt für die auftretende Höchstlast, der laut TAB mindestens 10 mm² Cu sein muss. Normalerweise dürfen Sicherungsverteiler mit Zähleinrichtungen auch nicht auf Außenwände montiert werden, es sei denn dies ist mit dem VNB so abgeklärt. Übersteigt der Überstromschutz im HAK 80 A, sind Stromwandler für die Messeinrichtung einzusetzen. Vom VNB wird für die Bemessung der Höchstlast ein Gleichzeitigkeitsfaktor angegeben. Weiterhin ist die Last der Verbraucherverteiler gleichmäßig auf die Außenleiter zu verteilen und eine gleiche Adernkennzeichnung vom HAK bis zu den Stromkreisverteilern einzuhalten.

Plombenverschlüsse

Alle Teile einer Anlage, in denen ungezählter Strom fließt, müssen plombiert sein, das betrifft z.B. Zähler, Zählertafel, Tarifschaltuhr und sonstige Tarif-Steuerungsanlagenteile, Hausanschlusskästen und Hauptleitungsabzweigkästen. Plomben dürfen überdieshinaus nur mit Zustimmung des VNB entfernt werden. Eine Ausnahme bildet des eigenmächtige Entfernen von Plomben zur Abwendung von Gefahren, hier muss der VNB nachträglich darüber informiert werden. Eichplomben an Messgeräten dürfen aber niemals entfernt werden.

Sicherungsverteiler

Aufputzverteiler

Hier gibt es Aufbaugruppen, welche zum direkten Aufbau auf Normenzählertafeln (NZ) oder Uhrentafeln geeignet sind, wobei sich der Verteileraufbau im Grundsatz nicht vom Aufbau anderer Aufputzverteiler dieser Größe unterscheidet. Der Verteiler wird mit einem Grundgestell befestigt, auf dem sich der Apparateträger befindet. Auf diesem lassen sich wiederrum wahlweise Einbau-Sicherungselemente, Leitungsschutzschalter (LS), Fehlerstromschutzschalter (RCD), Schütze, Relais, Uhren usw. befestigen, die von den Herstellerfirmen mit entsprechenden Normmaßen hergestellt werden. In den Abdeckplatten oder Frontplatten der Hauben befinden sich Einkerbungen mit denen sich durch Ausbrechen oder Sägen ein einwandfreier Abschluss herstellen lässt. Sind die Kleinverteiler nach hinten geöffnet, dürfen sie nur auf nicht brennbaren Stoffen oder feuerfesten Unterlagen montiert werden.

Unterputzverteiler

Diese Verteiler bestehen aus vier Grundbauteilen: Einputzgestell oder Mauereinputzkasten, Blendrahmen mit Tür, Geräteträgereinsatz und Geräteabdeckung. Der Mauereinputzkasten bzw. das Einputzgestell dient hier zur Befestigung des Geräteträgereinsatzes und des Blendrahmens und wird in die vorgesehene Mauernische verankert und eingeputzt. Passiert dies mit Schüttbeton oder handelt es sich um Umbauarbeiten besteht der Mauereinputzkasten aus Stahlblech oder stabilem Kunststoff. Der Geräteträgereinsatz besitzt wieder Tragschienen für die Einbaugeräte und Schienen für die N- und PE-Klemmen. Er kann schon in der Werkstatt bestückt und verdrahtet werden und anschließend nach den Mauererbeiten eingesetzt und angeschlossen werden. Danach wird der Blendrahmen befestigt, der sich zum Putzausgleich bis zu einigen Zentimetern auf dem Unterteil verstellen lässt, dass er direkt auf dem Putz anliegt. Schließlich wird die Geräteabdeckung befestigt, welche wieder Vorprägungen in den Normmaßen der Geräte besitzt und mit der so der Schutz gegen zufälliges Berühren spannungsfreier Teile sichergestellt wird. Dabei dürfen die Abdeckungen nur mit Hilfe von Werkzeug abnehmbar sein und nicht per Hand. Die größe der Verteiler richtet sich nach den einzubauenden Geräten und variiert je nach Hersteller.

Baustromverteiler

Auf Baustellen zum Anschluss von Baumaschinen sind ortsveränderliche Verteiler notwendig, die dem Baubetrieb mechanisch, elektrisch und sicherheitsmäßig gewachsen sind. Sie werden als Baustromverteiler bezeichnet und müssen als typgeprüfte Niederspannungs-Schaltgerätekombination (TSK) ausgeführt sein. Dabei gibt es ja nach den Erfordernissen drei verschiedene Schrankarten.

Anschlussschrank (A-Schrank)

Der A-Schrank dient zum Anschluss der Baustromverteiler an das Stromversorgungsnetzt. In ihm befinden sich der Zähler, Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen, Gruppensicherungen und Anschlussklemmen für Zuleitungen. Er enthält aber keine Steckdosen für Verbraucheranschlüsse. Die Leistungsgröße beträgt bei 400 V ca. 40-270 kW.

Verteilerschrank (V-Schrank)

Die V-Schränke werden wiederrum an den A-Schrank angeschlossen und enthalten Fehlerstrom-Schutzschalter, Sicherungen und Steckdosen für 230 und 400 V, aber keinen Zähler. Die Leistungsgröße beträgt bei 400 V ca. 22-270 kW.

Anschluss-Verteilerschrank (AV-Schrank)

Er wird hauptsächlich für weniger umfangreiche Bauvorhaben genutzt und stellt eine Kombination aus A- und V-Schrank dar. Er enthält damit Zähler, Fehlerstrom-Schutzschalter, Sicherungen und Steckdosen für Verbraucheranschlüsse. Die Leistungsgröße beträgt bei 400 V ca. 15-150 kW.

Gehäuse von Baustromverteilern bestehen aus schlagfestem Isolierstoff in schutzisolierter Ausführung oder aus verzinktem Stahlblech, lackiert in spritzwassergeschützter Ausführung (IP 44). Damit ein unbefugtes Bedienen ausgeschlossen wird, sind die Türen abschließbar. Gebräuchliche Anschlussleitung ist ein NSSHöu, wobei die Absicherung und Querschnittsbemessung wie bei Hauptleitungen ausgeführt wird. Die Netzanschlussleitung muss dabei durch Zugentlastungsschellen gesichert und fest angeschlossen werden. Die Anschlusslänge sollte 30 m nicht überschreiten, ohne dass man die erhöhten Spannungsfälle berücksichtigt. Werden Steckdosenstromkreise versorgt, ist ein RCD mit einem Bemessungsfehlerstrom von 0,03 A zu verwenden. Bei Anwendung in einem TT-System sind einwandfreie Schutzleiterverbindungen und sichere Erdungsanschlüsse besonders wichtig.

Die Erdung erfolgt meistens über einen Kreuzerder, der in den Boden geschlagen wird, und über eine Erdungsleitung H07V-K 16 mm² mit der Schutzleitersammelschiene verbunden ist. Die Wirksamkeit der Schutzmaßnahme muss mit einem VDE-Messgerät kontrolliert werden. Bewegliche Anschlussleitungen der Verbraucher sind mindestens als H07RN-F auszulegen. Die im Verteiler befindlichen Steckdosen werden durch Sicherungen oder Leitungsschutzschalter abgesichert. Je nach Größe der Baustelle kann es Sinn machen, einen Anschlussschrank mit Zähler und an den Lastschwerpunkten mehrere Verteilerschränke ohne Zähler anzuordnen, wodurch eine größere Selektivität erreicht wird. Gibt es Betriebsmittel mit Gleichfehlerströmen wie einen Baukran, der über Frequenzumrichter betrieben wird, muss ein RCD vom Typ B eingesetzt werden.