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Heizungsleitungen

Grundlagen

Ein wesentlicher Teil der Arbeiten im SHK-Handwerk besteht im Bearbeiten und Montieren von Rohrleitungen. Dabei sind die Vorschriften der jeweils gültigen Normen und technischen Regeln zu beachten. Hauptsächlich verwendete Werkstoffe sind:

  • Stähle
  • Kupfer
  • Kunststoffe
  • Verbundwerkstoffe

Kenngrößen

Die wichtigste Kenngröße bei der Zuordnung von Rohren ist die Nennweite DN. Diese gibt an, welche Rohre und Fittings innerhalb eines Rohrsystems zueinander passen. Sie wird ohne Einheit geschrieben.

Beispiel: Mittelschwere und schwere Gewinderohre nach DIN EN 10255


Nennweite DN

Whitworth-Rohrgewinde

Außendurchmesser mm

mittelschwer

Wanddicke mm

schwer

Wanddicke mm
103/8„17,22,32,9
151/2“21,32,63,2
203/4„26,92,63,2
251“33,73,24,0
321 1/4„42,43,24,0
401 1/2“48,33,24,0
502„60,33,64,5
652 1/2“76,13,64,5
803„88,94,04,8
1004“114,34,55,4

Außerdem werden alle Rohre durch den Außendurchmesser da und die Wanddicke s gekennzeichnet.

Rohrarten

Stahlrohre

Gewinderohre

Gewinderohre werden nach DIN EN 10255 in zwei verschiedenen Wanddicken hergestellt. Als mittelschwere und schwere Gewinderohre. Sie bestehen aus unlegiertem Stahl ( Werkstoff S195T ) mit Eignung zum Schweißen und Gewindeschneiden. Je nach Herstellungsverfahren gibt es nahtlose oder geschweißte Gewinderohre. Sie werden hauptsächlich mit schwarzer oder verzinkter Oberfläche hergestellt und meistens in einer Länge von 6m gehandelt. Auf Bestellung wird auf beiden Rohrenden ein Rohrgewinde aufgeschnitten.

Die Nennweite kann in DN ( zum Beispiel DN 50 ) oder wie bei allen anderen Rohrarten durch den Außendurchmesser ( zum Beispiel 60,3 x 3,65 ) angegeben werden.

Beispiel: Gewinderohr, schwarz

gewinderohr_schwarz.jpg

Quelle: www.boesken.de

Beispiel: Gewinderohr, verzinkt

Quelle: www.boesken.de

Siederohre

Siederohre nach DIN EN 10220, auch nahtlose Stahlrohre genannt, werden in der Regel ab einer Nennweite von DN 32 eingesetzt. Hier kommen hauptsächlich Rohre zum Einsatz, die einen kleineren Außendurchmesser gegenüber den Gewinderohren gleicher Nennweite haben. So sind spätere Verwechslungen mit dem Gewinderohr ausgeschlossen, da auf ein Siederohr aufgrund der geringeren Wanddicke keine Gewinde geschnitten werden dürfen.

Präzisionsstahlrohre

Präzisionsstahlrohre nach DIN EN 10305 sind Rohre, die sich durch folgende Merkmale auszeichnen:

  • geringere Wanddicken als andere Stahlrohrarten
  • hohe Maßgenauigkeit des Durchmesser und der Wanddicke
  • hohe Formgenauigkeit der Querschnittsoberfläche
  • glatte innere und äußere Oberfläche

Verwendet werden in Heizungsanlagen Präzisionsstahlrohre in den Ausführungen:

  • nahtlos, kaltgezogen nach DIN EN 10305-1
  • geschweißt, kaltgezogen nach DIN EN 10305-2
  • geschweißt, maßgewalzt nach DIN EN 10305-3

Zur Verbesserung des Korrosionsschutzes können die Rohre mit Schutzschichten, zum Beispiel durch Phosphatierung oder mit einer Kunststoffummantelung versehen werden.

Edelstahlrohre

Nichtrostende Stahlrohre werden nach DIN EN ISO 1127 aus hochlegierten Stahlsorten hergestellt und deshalb auch als Edelstahlrohre bezeichnet. Hergestellt werden sie nahtlos und geschweißt. Ihre Merkmale bezüglich Wanddicke, Maß- und Formgenauigkeit entsprechen denen der Präzisionsstahlrohre. In der Heizungstechnik finden diese Rohre unter anderem in Wärmetauschern, als Kondensatleitungen oder als Rohrleitungen in Räumen mit aggressiven Gasen Verwendung.

Beispiel: Edelstahlrohr

edelstahlrohr.jpg

Kupferrohre

Im SHK-Handwerk werden häufig Kupferrohre bis DN 50 verwendet. Installationsrohre aus Kupfer sind nach DIN EN 1057 genormt. Es sind nahtlos gezogene Rohre mit Außendurchmessern von 12 mm bis 267 mm und Wanddicken von 1 mm bis 3 mm. In Abhängigkeit des Außendurchmessers werden die Kupferrohre in unterschiedlichen Zuständen geliefert: weich, halbhart und hart. Geliefert wird es in Stangen von 3 m oder 5 m Länge oder in Ringen von 25 m oder 50 m.

Beispiel: Kupferrohr in Stangen

Eigenschaften von Kupferrohren

  • gute Kalt und Warmverformbarkeit
  • vielseitige Verbindungsmöglichkeiten
  • hohe Korrosionsbeständigkeit gegenüber Öl, Wasser, schwachen Säuren, Flüssiggas, Erdgas und Luft
  • gute Wärmleitfähigkeit
  • geringe Rohrrauigkeit, daher strömungsgünstig
  • hygienisch unbedenklich

Beispiel: Installationsrohre aus Kupfer nach DIN EN 1057

Außendurchmesser d1 in mmWanddicke s in mm
121
151
181
221
281,5
351,5
421,5
542
642

Kunststoffrohre

Heizungsleitungen aus Kunststoff beherrschen den Markt seit vielen Jahren. Die Ursache dafür liegt einmal in den Vorteilen, die die Kunststoffe von Natur aus mit sich bringen, und in der hohen Variationsbreite der angebotenen Systeme, die eine baustellenspezifisch optimale Auswahl ermöglichen. Das konstant hohe Qualitätsniveau und die Zuverlässigkeit der Heizungsrohrsysteme aus Kunststoff wird bei vielen Herstellern durch ein Gütezeichen dokumentiert. Systeme mit einem der genannten Gütezeichen entsprechen dem Stand der Technik und unterliegen einer vertraglich geregelten Überwachung auf der Grundlage bewährter Regelwerke. Kunststoffe für Rohrleitungen bestehen aus Thermoplasten ( Kunststoffe, die warmverformbar sind ). Sie werden überwiegend aus Erdöl hergestellt und bestehen aus großen, fadenförmigen Molekülen.

Gängige Kunststoffrohre sind:

  • Polyethylen Rohre ( kurz: PE-X )
  • Polypropylen ( kurz: PP )
  • Polybuten ( kurz: PB )

Beispiel: PE-X Rohr

Quelle: www.kermi.de

Mehrschichtverbundrohre

Mehrschichtverbundrohre sind Rohre, die aus mehreren Schichten bestehen. Ein Innenrohr aus Kunststoff wird von einem Aluminiumrohr umschlossen, das mit einem äußeren Kunststoffmantel umhüllt ist. Zwei spezielle Verbundschichten dienen als Haftvermittler sowohl zwischen Innenrohr und Aluminium als auch zwischen Außenrohr und Aluminiumschicht. Dieser Haftvermittler hat die wichtige Aufgabe, die unterschiedliche Längenausdehnung von Kunststoff und Aluminium auszugleichen. Gleichzeitig soll er das Innen- und Außenrohr fest mit dem Aluminiumrohr verbinden und ein gegenseitiges Verschieben der einzelnen Rohrschichten verhindern.

Beispiel: Mehrschichtverbundrohr

mehrschichtverbundrohr.jpg

Quelle: www.wikipedia.de

Bei den Mehrschichtverbundrohren werden die Vorteile von Metallrohren, wie z.B.

  • absolute Sauerstoffdichtheit
  • kleine Längenänderung
  • hohe Eigenstabilität

mit den Vorzügen der Kunstoffrohre kombiniert.

  • geringe Masse
  • Korrosionsbeständigkeit
  • Flexibilität
  • einfache Montage

Geliefert werden sie von DN 12 bis DN 40 in Stangen von 5m Länge oder je nach Hersteller bis DN 25 in 25m, 50m oder 100m Ringen.


Rohrverbindungen

Mit Hilfe von lösbaren und unlösbaren Rohrverbindungen werden sowohl Rohre untereinander als auch Rohre mit Fittings, Armaturen, Pumpen, Geräten und Apparaten gefügt. Grundsätzlich müssen alle Rohrverbindungen auch unter wechselnden Betriebsbedingungen wie z.B. Temperatur- und Druckschwankungen dauerhaft dicht sein.

Die Aufgabe, die eine Verbindungsstelle erfüllen soll, entscheidet über die Wahl der Verbindungstechnik. Soll beispielsweise eine Armatur oder eine Pumpe auswechselbar sein, ist eine lösbare Verbindung zu wählen. Ist dies nicht erforderlich, kann eine unlösbare Verbindung verwendet werden.

Lösbare Verbindungen

Als lösbare Verbindung bezeichnet man eine Verbindung, die ohne Zerstörung der einzelnen Verbindungselemente oder Bauteile gelöst und wieder zusammengefügt werden kann.

Eine lösbare Verbindung soll nicht unter Putz, in den Fußbodenestrich oder in schwer zugänglichen Schächten und Kanälen verlegt werden!

Die wichtigsten lösbaren Verbindungen sind:

  • Langgewinde ( in Altbauten )
  • Verschraubungen für Gewinderohre
  • Verschraubungen für Kupferrohre
  • Klemmverbindungen
  • Rohrkupplungen
  • Flanschverbindungen

Beispiel: Messing Verschraubung

messing-verschraubung.jpg

Quelle: www.viega.de

Unlösbare Verbindungen

Das Rohrsystem einer Hausinstallation ist zum großen Teil eine ununterbrochene Rohrstrecke, ein Verteilungsnetz mit Verzweigungen zu Entnahmestellen oder Heizflächen. Die Verbindung von Rohren, Umlenkungen und Abzweigen erfolgt oft durch unlösbare Verbindungstechniken. Sie können nur durch Zerstörung getrennt werden.

Die wichtigsten unlösbaren Verbindungen sind:

  • Gewindeverbindungen nach DIN EN 10226 Teil 1, für Stahlrohre nach DIN EN 10255
  • Pressverbindungen für Präzisions-, Edelstahl-, Kupferrohre sowie Mehrschichtverbundrohre
  • Druckhülsenverbindungen für Kunststoff- und Mehrschichtverbundrohre
  • Klebeverbindungen für Kunststoffrohre
  • Lötverbindungen für Kupfer- und Präzisionsstahlrohre
  • Schweißverbindungen

Beispiel: Pressen von Kupferrohr

pressen-von-kupferrohr.jpg

Quelle: www.geberit.de

Beispiel: Löten von Kupferrohr

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Beispiel: Hülsenverbindung

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Quelle: www.tece.de

Rohrmontage

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Quelle: www.sbz-monteur.de

Der Rohrverlegung und -montage sollte immer eine sorgfältige Planung vorausgehen. Es kann sonst leicht zu einer unsinnigen Leitungsführung kommen. Grundsätzlich können Rohrleitungen in Installationsebenen, in Installationsschächten, im Mauerwerk unter Putz, in Wand- und Deckendurchbrüchen, in Schlitzen, unter der Decke und auf dem Rohfussboden verlegt werden. Dabei sind folgende Gesetze und Normen zu beachten:

Montagehinweise

Da es eine Vielzahl von Montagehinweisen, Richtlinien, Verlegeregeln und Anwendungsfälle bei der Rohrleitungsmontage gibt, geben wir an dieser Stelle nur einen groben Überblick über die wichtigsten Punkte, die zu beachten sind.

  • Rohrleitungen sind parallel und rechtwinkelig zu Wänden und Decken zu verlegen
  • Bei Wand- und Deckendurchführungen ist auf den Schall- und Brandschutz zu achten
  • Rohrleitungen in Wänden und Fußböden dürfen keinen Kontakt zum Baustoff haben
  • Im Fußboden werden Rohrleitungen i.d.R. auf dem Rohfussboden verlegt und befestigt
  • Rohrleitungen sind entsprechend der Energieeinsparverordnung wärmezudämmen
  • Die Wärmedehnung der Rohrleitung ist zu beachten und ggf. zu kompensieren
  • Frei vor der Wand verlegte Rohrleitungen werden durch Rohrbefestigungen mit Schallschutzeinlage befestigt