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Sanitärfugen

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Grundlagen

An Sanitärobjekten wie Waschtische, Duschen oder WC-Becken gibt es an den Übergängen zu anderen Bauteilen Fugen, die mit Dichtstoff geschlossen werden müssen. Diese Fugenabdichtung soll eine möglichst dauerhafte, hygienische , wasserdichte und schmutzdichte Verbindung zwischen der sanitären Einrichtung und der Wand oder dem Fußboden darstellen.

Fugen

Je nach Ausmaß der auftretenden Bewegung unterscheidet man zwischen Bewegungsfugen und statischen Fugen. Außerdem unterscheidet man nach der Lage der Fuge zwischen Bodenfugen und Anschlussfugen, die entsprechend ihrer Bestimmung noch weiter unterteilt werden können. Eine fachgerechte Verfugung ist nur dann gegeben, wenn die Fuge konstruktiv richtig gestaltet ist. Dazu gehört ein ausreichendes Dichtstoffvolumen, eine richtig angelegte Dreiecksfase und eine gute Flankenhaftung.

Dichtstoffe

Anforderungen

An die Dichtstoffe für Sanitärfugen werden besondere Anforderungen gestellt. Im Einzelnen sollen sie:

  • Die Bewegung zwischen den Bauteilen aufnehmen
  • Mit den Untergrundwerkstoffen verträglich sein und darauf einwandfrei haften
  • Die hohe Feuchtigkeitsbelastung aushalten
  • Beständig sein, gegen Körperpflege- und Reinigungsmittel
  • Mechanisch widestandsfähig und alterungsstabil sein
  • Einen Schimmelpilzbefall weitgehend verhindern

Material

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Quelle: www.wikipedia.de

Als Dichtstoffe werden vorwiegend Acryl oder Silikon angeboten. Für Sanitärfugen ist neutral reagierendes, elastisches Sanitärsilikon nach DIN 18545 besonders geeignet.

Acryl-Dichtstoffe sind wasser- und lösemittelhaltig und weniger elastisch als Silikone. Wasserhaltige Acryle haften aber auf relativ feuchten, saugenden Untergründen. Sie eignen sich vor allem zum Abdichten von Fugen und Rissen im Mauerwerk. Da sie auch nach völliger Durchtrocknung noch Wasser aufnehmen, sind sie für Nassräume nur bedingt geeignet. Zu dem führen Acrylate und deren Amoniakabspaltungen in Verbindung mit Feuchtigkeit an Messingarmaturen zu Spannungsrisskorrosion.

Silikon-Dichtstoffe können nur auf trockenem Untergrund verarbeitet werden. Essigsäuresilikone sollten von Beton, Putz, Marmor, Bitum, Kupfer, Messing und Zink ferngehalten werden. Die frei werdende Essigsäure greift diese Stoffe an und verringert die Haftfähigkeit des Dichtstoffes.

Verarbeitung

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Die Verarbeitung erfolgt meistens mit einer Kunststoffkartusche. Diese lässt sich in eine Spritzpistole einlegen. Durch Drücken des Griffhebels lässt sich die Dichtmasse in die Fuge einbringen. Die Kartusche kann jederzeit entnommen und gelagert werden. Eine andere Möglichkeit der Verarbeitung stellen die Hand- und Druckluftpressen dar. Mit ihnen lassen sich Dichtstoffe in Folienschläuchen verarbeiten. Diese Arbeitsmittel lohnen sich allerdings nur, wenn große Mengen Dichtstoff ausgebracht werden müssen, da Vorbereitung und Reinigung sehr aufwendig sind.

Für alle Dichtstoffe gilt bezüglich der Arbeitssicherheit:

  • Berührung mit Haut und Augen vermeiden
  • Bei Arbeiten in Innenräumen gut lüften
  • Von Kindern fernhalten

Glättmittel

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Quelle: www.selbst.de

Die eigentliche Kunst der Fugenabdichtung liegt in der Glättung der Fuge. Dadurch soll eine vollflächige Benetzung der Haftfläche sichergestellt und eine optisch einwandfreie Fugenoberfläche erzielt werden. Das oft praktizierte Glätten mit dem Finger entspricht nicht den hygienischen Anforderungen. Man sollte daher immer einen Glättkörper (Bild) für normgerechte Dreiecks-Fugen benutzen.

Die Verwendung von Haushaltsspülmitteln, wie es in der Praxis häufig genutzt wird, ist durch deren unterschiedliche Zusammensetzung nicht immer geeignet. So können zum Beispiel Bindemittel aus dem Dichtstoff herausgelöst werden oder Risse nach dem Abtrocknen auftreten. Es sollte daher nur das Glätmittel verwendet werden, das vom Dichtstoffhersteller angegeben ist.

Schimmelbildung

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Quelle: www.selbst.de

Oft tritt auf dem Dichtstoff nach einiger Zeit eine schwarze, sich langsam vergrößernde Oberflächenverschmutzung durch Schimmelpilze auf. Ursachen für Schimmelbildung sind:

  • Verschmutzung der Dichtstoffoberfläche durch biologisch verwertbare Substanzen, wie Körperpflegemittel oder Kochdunst
  • Hohe Luftfeuchtigkeit und geringe Luftbewegung, die einen Feuchtigkeitsfilm auf dem Dichtmittel bei einer Temperatur über 20°C zulassen

Ist die Fuge einmal vom Schimmelpilz befallen, hilft meistens nur noch einer Erneuerung der Fuge, da der Pilz in den Dichtstoff eindringt und eine einfache Reinigung der Oberfläche meistens nicht ausreicht, um den Pilz zu entfernen.

Pflegehinweise

Um eine Sanitärfuge möglichst lange zu erhalten, sollte man die Fuge:

  • Nach dem Baden oder Duschen kurz abspülen und mit einem Tuch trocken reiben
  • Einmal je Woche mit Sanitärreiniger auf feuchtem Tuch reinigen, nachspülen und trockenreiben

Der Kunde sollte grundsätzlich darauf hingewiesen werden, dass selbst bei regelmäßiger Pflege der Dichtstoff in bestimmten Zeitabständen erneuert werden muss.