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Holzbalkendecken

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Abb. 1 Balkenlage des 3D Modells.
Quelle: Bubiza

Grundlagen

Decken sind Horizontale Bauteile, die Räume von anderen Räumen nach oben oder unten abtrennen. Tragende Decken haben insbesondere die Aufgaben der Übertragung der Deckenlasten (Eigen- sowie Nutzlasten), der Aussteifung des Bauwerks (Scheibenfunktion) sowie der Kopplung der Außen und Innenwände. Je nach Nutzung des Gebäudes und der Gebäudeklasse werden an eine Decke unterschiedliche Anforderungen in Bezug auf Schall- und Brandschutz gestellt.

Holzbalkendecken sind einachsig spannende Systeme, die als Ein- oder Mehrfeldträger ausgebildet werden können und in der Regel über die kürzeste Raumdistanz verlegt werden. Durch die Ausbildung als Mehrfeldträger lassen sich die Durchbiegungen reduzieren. Dies wirkt sich positiv auf die Abmessungen (Querschnitte) der einzelnen Deckenbalken aus.

Als Deckenbalken werden in der Regel Querschnitte aus Nadelvollholz verwendet. Hier kommt meistens Konstruktionsvollholz oder Brettschichtholz, seltener Balkenschichtholz (Duo- / Triobalken) zum Einsatz.

Je nach Gebäudeklasse und Nutzung der Räume gibt es verschiedene Anforderungen an Decken in Bezug auf Schallschutz, Brandschutz sowie Wärme- und Feuchteschutz.

Aufbau

In der Regel besteht der Aufbau einer Holzbalkendecke aus der Rohdecke, die mit einem darüberliegenden Fußbodenaufbau und gegebenenfalls einer Unterdecke kombiniert wird.

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Abb. 2 Möglicher Schichtaufbau einer Holzbalkendecke mit Fußbodenaufbau und an Federschienen abgehangener Gipswerkstoffdecke
Quelle: Bubiza

Rohdecke

rohdecke.jpgAbb. 3 Rohdecke bestehend aus Deckenbalken und OSB Beplankung
Quelle: Bubiza

Als Rohdecke versteht man allgemein die Deckenbalken mit der oberseitigen Beplankung. Die Beplankung wird häufig aus Holzwerkstoffplatten (OSB, Dreischichtplatten) hergestellt. Die Rohdecken erhalten in der Regel oberseitig eine Trittschalldämmung in Verbindung mit einem schwimmenden Estrich.

Aufgrund der geringen Masse ist bei Holzbalkendecken besonders der Schallschutz zu beachten. So wird zur Verbesserung des Trittschalls häufig eine zusätzliche Beschwerung (z.B. Schwere Schüttung oder Gehwegplatten) auf der Rohdecke angeordnet. Die Hohlräume zwischen den Deckenbalken erhalten oft eine Hohlraumbedämpfung (häufig aus Mineralfaserdämmstoffen).

Beschwerung

Die Trittschalldämmung einer Holzbalkendecke kann durch eine möglichst schwere, biegeweiche Beschwerung der Rohdecke erhöht werden. In der Praxis werden entweder Schüttungen aus Sand, Kalksplitt oder Kies oder aber auch Beschwerungen aus Beton- oder Gehwegplatten verwendet. Schüttungen werden entweder in spezielle Wabenmatten verfüllt oder die Fixierung erfolgt durch ein spezielles Bindemittel (Splittbinder K 102), welches vor dem Einbringen der Schüttung beigemischt wird.

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Abb. 4 Einbringen der Splittbeschwerung

Quelle: https://www.eu-koehnke.de/

Bei der Verwendung von Beton- oder Gehwegplatten ist darauf zu achten, dass diese nicht größer als 30 cm x 30 cm sein dürfen. Die Platten müssen zur Fixierung entweder mit der Rohdecke verklebt werden oder in ein dünnes Bett aus Quarzsand (ca. 5 mm) gelegt werden. Es ist darauf zu achten, dass nur trockene Schüttungen oder Platten eingebaut werden um spätere Feuchteschäden zu vermeiden.

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Abb. 5 Beschwerung der Rohdecke durch Gehwegplatten
Quelle: Bubiza

Trittschalldämmung

Unter dem Estrich werden Trittschalldämmplatten verlegt. Diese bestehen meist aus Polystyrol-, Mineralfaser- oder Holzfaserplatten. Die Dicke von Trittschalldämmplatten wird stets mit zwei Werten angegeben. Die Angabe 22/20 bedeutet beispielsweise, dass die Dicke der Platte unbelastet 22 mm und belastet 20 mm beträgt. Die zur Trittschalldämmung verwendeten Platten dürfen einerseits nicht zu steif sein, müssen aber gleichzeitig ausreichend belastbar sein, da ansonsten erhebliche Setzungen im Bodenaufbau entstehen können. Man spricht hier auch von dynamischer Steifigkeit. Diese sollte zwischen 5 MN/m² (bei schwerem Nassestrich) und 20 MN/m² (bei Trockenestrich) liegen. Zwischen Estrich und Trittschalldämmung muss eine wasserundurchlässige Trennlage angeordnet werden.

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Abb. 6 Trittschalldämmung aus Holzfaserplatte unter Zementestrich mit Trennlage (PE-Folie)
Quelle: Bubiza

Die Hohlräume zwischen den Deckenbalken werden mit einer Hohlraumbedämpfung versehen (bei nicht sichtbaren Holzbalkendecken). Hierfür wird meist eine Mineralfaserdämmung mit einer Dicke von 100 mm verwendet. Größere Dämmstoffdicken bringen keine wesentliche Verbesserung des Schallschutzes.

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Abb. 7 Hohlraumbedämpfung
Quelle: Bubiza

Estrich

Zementestrich

Der am häufigsten verwendete Estrich ist der Zementestrich. Er besitzt hohe Festigkeitswerte und ist beständig gegenüber Feuchtigkeit, wodurch er auch in Nassräumen verwendet werden kann. Des Weiteren ist Zementestrich nicht brennbar und wirkt sich durch sein hohes Eigengewicht positiv auf den Schallschutz der Decke aus.

Estrich muss vollständig getrocknet und ausgehärtet sein, bevor er mit weiteren Bodenbelägen belegt werden kann. Besonders Vollholzprodukte (Dielen, Parkett) reagieren sehr empfindlich auf Baufeuchte und können stark quellen. Die Aushärtungszeit von Zementestrich liegt in der Regel zwischen 20 und 30 Tagen, da in dieser Zeit sehr viel Feuchtigkeit vom Estrich abgegeben wird muss eine gute Belüftung gewährleistet werden um Feuchteschäden wie z.B. Schimmelbefall zu vermeiden.

Anhydritestrich

Anhydritestrich darf keiner dauerhaften Feuchtigkeitsbelastung ausgesetzt werden und ist daher besonders für Trockenbereiche eines Gebäudes geeignet. Gegenüber Zementestrich darf Anhydritestrich aufgrund seiner geringeren Festigkeit weniger stark belastet werden.

Gussasphaltestrich

Gussasphaltestrich ist ein bitumengebundener Estrich aus Splitt, Bitumen, Sand und Gesteinsmehl, der beim Einbau gieß- und streichbar ist. Er ist fugenfrei herstellbar und bildet einen wasserdichten, hohlraumfreien und praktisch wasserdampfdichten Fußboden.

Trockenestriche

Trockenestriche bestehen insbesondere aus Holz- und Gipswerkstoffen. Der besondere Vorteil besteht darin, dass keine zusätzliche Baufeuchte in das Gebäude eingebracht wird. Eine Austrocknung ist nicht notwendig, somit entfällt die sonst nötige Wartezeit zum Einbringen der Bodenbeläge.

Unterdecken

Nicht sichtbare Holzdecken werden unterseitig meist mit Gipswerkstoffplatten bekleidet. Der Einsatz von Nut- und Federprofilen aus Holz und Holzwerkstoffen ist schallschutztechnisch weniger wirksam. Die Montage der Unterdecke erfolgt in der Regel über Lattungen oder Federschienen, vereinzelt auch über spezielle Abhängesysteme.

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Abb. 8 Mit Gipsbauplatten abgehangene Decke mit Öffnungen zur Aufnahme von Einbauleuchten
Quelle: Bubiza

Durch die Verwendung von Federschienen wird eine bessere Schallentkopplung der Unterdecke erreicht. Gegenüber einer normalen Lattung beträgt die Verbesserung ca. 10 dB.

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Abb. 9 Federschienen mit Gipsbekleidung
Quelle: Bubiza

Eine weitere Verbesserung des Schallschutzes kann durch eine doppelte Beplankung erreicht werden. Bei der Verwendung von Federschienen ist darauf zu achten, dass diese schwingend gelagert befestigt werden. Die Schrauben dürfen also, wie in der nachfolgenden Abbildung zu sehen, nicht fest angezogen werden.

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Abb. 10 Befestigung einer Federschiene
Quelle: Bubiza

Auflagerung

Im mehrgeschossigen Holzbau haben sich verschiedene Varianten der Deckenauflagerung etabliert. Die bedeutendsten Varianten sind die Plattform- und die Quasi-Balloon Bauweise.

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Abb. 11 Auf Randholz aufliegendes Deckenelement in der Quasiballoonbauweise
Quelle: Bubiza

Fotos zur Montage eines Deckenelements

Nachfolgend sind Fotos der Montage eines vorgefertigten Deckenelements bei einem Gebäude in quasi-balloon-Bauweise dargestellt.

1. Das Deckenelement ist am Kran angeschlagen:

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Abb. 12 Deckenelement an Kran
Quelle: Bubiza

2. Das Deckenelement wird in Position geschwenkt:

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Abb. 13 Einschwenken des Deckenelements
Quelle: Bubiza

3. Das Deckenelement wird langsam abgelassen, bis es an der vorgesehenen Position vollständig auf den Randbalken aufliegt:

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Abb. 14 Positionierung des Deckenelements
Quelle: Bubiza

4. Alle Deckenelemente wurden verlegt:

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Abb. 15 Fertig ausgelegte Deckenelemente
Quelle: Bubiza

5. Elementstoß von unten betrachtet:

Abb. 16 Elementstoß
Quelle: Bubiza

Anwendungsbeispiel Splittschüttung

In nachfolgendem Video wird das Einbringen einer gebundenen Splittschüttung mit dem System K 102 gezeigt. Der große Vorteil bei der Verwendung einer Schüttung liegt darin, dass auf der Rohdecke verlegte Installationsleitungen (z.B. Elektrokabel) einfach in die Schüttung eingebunden werden. Grundsätzlich sollte schon in der Planungsphase eine genaue Abstimmung mit der Haustechnik erfolgen.

Quelle: https://www.eu-koehnke.de/