Das virtuelle Digitalgebäude
Kompendium für Lernende und Lehrende

dach_gaube_1.jpg

Dachentwässerung

Abb. 1 vorgehängte, halbrunde Rinne
Quelle: Bubiza

Grundlagen

Die Entwässerung von Dachflächen hat primär das Ziel Niederschlagswasser gezielt zu führen und kontrolliert vom Gebäude abzuleiten, um die Konstruktion des Bauwerks sowie den Innenraum zu schützen. Dabei dienen Dachdeckungen und -Abdichtungen als wasserführende Schichten, an die Dachrinnen oder Dachabläufe mit entsprechenden Rohrsystemen angeschlossen sind. Das Niederschlagswasser wird also meist auf möglichst direktem Weg von einer Dachfläche in Richtung Geländeoberkante geleitet.

Zur weiteren Behandlung des Niederschlagwassers gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Versickerung auf dem Grundstück
  • (teilweise-) Speicherung zur weiteren Verwendung in Zisternen
  • Einleitung in ein grundstückeigenes- oder grundstücksnahes Gewässer (z.B. einen Bach oder Fluss)
  • Einleitung in das öffentliche Kanalsystem

Steildachentwässerung

Bestandteile

Bestandteile der Steildachentwässerung sind üblicherweise:

  • die Dachdeckung (Dachziegel, Dachsteine, Schiefer, Faserzement, Faserzementwellplatten, etc.)
  • ggf. die Zusatzmaßnahme zur Erhöhung der Regensicherheit (z.B. Unterspannbahnen, Unterdeckbahnen oder Unterdeckplatten)
  • Kehlen
  • An- und Abschlüsse (z.B. Wandanschlüsse, Gaubenanschlüsse)
  • Tropf- und Einlaufbleche
  • Rinnen
  • Rinnenzubehörteile (z.B. Lötstutzen, Einhangstutzen, Wasserfangkästen)
  • Fallrohre und Fallrohrbögen
  • Standrohre
  • (Grundleitungen)

Abb. 2 vorgehängte, halbrunde Rinne mit darunter liegendem Lüftungsgitter und Tropfblech
Quelle: Bubiza

Größenbezeichnung halbrunder Dachrinnen

Das System der Größenbezeichnung halbrunder Dachrinnen stammt von der früheren Herstellungsart ab, bei der die Dachrinnen aus Standardblechtafeln mit einer Kantenlänge von 1 m x 2 m gedreht wurden. Die Rinnengrößen werden demzufolge danach benannt, wieviele Teile einer Zuschnittsbreite aus einer Blechtafel mit 2 m Kantenlänge hergestellt werden können. So hat beispielsweise eine 4 teilige Rinne eine Zuschnittsbreite von 500 mm. Es können also 4 Streifen mit 500 mm Breite aus einer 2 m langen Blechtafel geschnitten werden. Je größer die Teiligkeit, desto kleiner ist der Rinnendurchmesser.

Nachfolgende Tabelle enthält die Standardrinnengrößen.

tabelle_rinnengroessen.jpg

Dimensionierung / Niederschlagsberechnung

Die Größe von Dachrinnen, Ablaufstutzen und Fallrohren muss auf die daran angeschlossene Dachfläche sowie die zu erwartende maximale Niederschlagsmenge abgestimmt sein. Zur fachgerechten Dimensionierung dieser Bauteile wird daher die rechnerische Ermittlung dieser Niederschlagsmenge notwendig. Das Ergebnis dieser Berechnung ist die zu erwartende, statistische Menge Regenwasser in Liter pro Sekunde für die in der Berechnung berücksichtigte Fläche. Zusätzlich zur Dimensionierung der Entwässerungsanlage wird dieser Wert von den zuständigen Entwässerungsbetrieben abgefragt.

Der sogenannte Regenwasserabfluss wird mit der Formel Qr = C x A x (r(D/T) : 10000) [l / s] berechnet.

C stellt den Abflussbeiwert dar, dieser kann entsprechenden Tabellen entnommen werden und symbolisiert den Versiegelungsgrad der Fläche und deren Rückhaltevermögen des Niederschlagswassers. Ein mit Ziegeln / Dachsteinen gedecktes Dach hat einen Abflussbeiwert von 1, ein Gründach hingegen abhängig von der Aufbaudicke einen Abflussbeiwert von 0,3 - 0,5.

A ist die Größe der wirksamen Dachfläche in m² im Grund gemessen.

r(D/T) ist die Berechnungsregenspende. Dies ist ein ortsabhängiger Wert, der die Menge in l/s pro Hektar eines Regenereignisses angibt, welches statistisch alle fünf Jahre für die Dauer von fünf Minuten auf die Fläche von einem Hektar einwirkt (r(5/5)). Datengrundlage sind die Werte nach KOSTRA-DWD 2000 des Deutschen Wetterdienstes.

Berechnungsbeispiel

Hier gibt es ein Berechnungsbeispiel für den Regenwasserabfluss des virtuellen Digitalgebäudes.

3d.jpg

Abb. 3 Gebäudemodell mit Fallrohren und Kanalschachtdeckel
Quelle: Bubiza

Flachdachentwässerung

Abb. 4 Flachdachgully
Quelle: Bubiza

Notüberlauf

Abb. 5 Notüberlauf auf Attikainnenseite
Quelle: Bubiza

Abb. 6 Notüberlauf an Attikaaussenseite
Quelle: Bubiza