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BK-Anlagen (DVB-C)

Grundlagen

Die Bezeichnung BK steht für das Breitbandkabelnetz, womit das Kabelfernsehen gemeint ist. Das Empfangssignal wird dabei über Hausübergabepunkte (HÜP), die nur vom zuständigen Kabelnetzbetreiber aktiviert werden können, in die Gebäude eingespeist. Die Hierarchie der Übertragungsbereiche ist dabei in Netzebenen aufgeteilt, wobei die Netzebene 4 dem Installationsort für den Teilnehmeranschluss in der Wohnung entspricht. Generell gelten bei der Verteilung der Kabelfernsehsignale die gleichen Ansätze wie im Bereich von Satellitenempfangsanlagen. Zu beachten ist aber, dass die Installation, Inbetriebnahme und Instandsetzung in vielen Regionen nur durch zertifiziertes Personal bzw. zertifizierte Fachhändler durchgeführt werden darf.

Grundsätzlich gilt die Verpflichtung auf die HF-Dichtigkeit der Installation zu achten, da der Frequenzbereich in dem Kabelfernsehsignale übertragen werden auch den terrestrischen Bereich überragt. Durch eine unsachgemäße Installation können herkömmliche Empfangseinrichtungen nicht mehr einwandfrei funktionieren, was besonders seit der Inbetriebnahme des Datenrückwegs für die Kommunikationsanwendungen auffällt.

Breitbandkommunikationsnetz, BK-Netz, Kabelnetz

Es gibt in Deutschland heute 3 große Kabelnetzbetreiber und viele kleine, die oft mit Wohnungsbaugesellschaften zusammenarbeiten. Hierarchisch ist die BK-Netzstruktur in 4 Ebenen gegliedert:

  • Netzebene 1 (NE1): TV- und Hörfunkstudios, Programmproduktion
  • Netzebene 2 (NE2): Signalübertragung mit TV- und Hörfunksender, Satellit, Richtfunkstrecke oder Glasfaserkabel zur Rundfunkempfangsstelle (RfESt)
  • Netzebene 3 (NE3): Signalübertragung von der RfESt (auch Kabelkopfstelle) bis zu den Hausübergabepunkten, für die die Kürzel HÜP, ÜP oder ÜP40 verwendet werden (Verteilnetz im Erdreich)
  • Netzebene 4 (NE4): Signalübertragung von den HÜP bis zu den Kabelanschlussdosen (Verteilnetz im Gebäude)

Dabei sind die Netzebenen 3 und 4 mit hoch geschirmtem Koaxialkabel aufgebaut, um das Kabelnetz ausreichend gegen andere Funkdienste gleicher Frequenz zu entkoppeln. Aufgrund der höheren Komplexität des Netzes, hat man für Gebäudeverkabelungen in der NE 4, die rückwegfähig ausgebaut sind, die Netzebene 5 (NE5) eingeführt, die dann für die Installation in einer Wohnung steht und deren Übergang ein virtueller Wohnungsübergabepunkt WÜP darstellt.

BK-Frequenzbereiche

Da das Koaxialnetz hochgeschirmt ist kann man Frequenzen verwenden, die ursprünglich mit anderen Funktionen belegt sind, was bedeutet, dass der Fernsehfrequenzbereich von 47…862 MHz nahezu lückenlos genutzt werden kann.

Frequenzband Frequenz in MHz Kanäle Kanalbandbreite in MHz
Band I47..68K2, K3, K47 (8)
Band II (UKW)87,5…108 0,3
USB (unterer Sonderkanalbereich)109…174S2…S107 (8)
Band III174…230K5…K127 (8)
OSB (oberer Sonderkanalbereich)230…300S11…S207 (8)
ESB (erweiterter Sonderkanalbereich)302…470S21…S418
Band IV470…606K21…K378
Band V606…862K38…K698


Fernsehen über Kabel

In Deutschland wird das Kabelfernsehen von verschiedenen Netzbetreibern gegen Gebühr zur Verfügung gestellt. 2015 nutzten etwa 41% der Deutschen Kabelfernsehen im Gegensatz zu 46%, die Satellitenfernsehen nutzen. Folgende große Anbieter gibt es zurzeit in Deutschland: Unitymedia (Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen), Kabel Deutschland (übrige 13 Bundesländer), Tele Columbus und Primacom. Diese Kabelnetzbetreiber werden von den Landesmedienanstalten überwacht, die auch die Programme festlegen, welche ins Kabelnetz eingespeist werden müssen.

Rückwegefähige BK-Netzebene 4

Mit dem Einzug von Internet und Telefonie über Fernsehkabel wurden die Kabelfernsehnetze im Bereich von 30 bis 65 MHz rückkanalfähig gemacht auf der NE3. Damit waren auch wesentliche Änderungen in der NE4 nötig. Im Vorwärstweg benötigt man für die Verteilung der BK-Signale einen Hausanschlussverstärker (HAV), Verteiler und Abzweiger, hochwertiges Koaxialkabel, Antennensteckdosen (TAD), geschirmte 75-Ω-Abschlusswiderstände, passgenaue F-Steckverbinder und eventuell Kabelentzerrer zur Korrektur des Kabelfrequenzgangs (kann Bestandteil des HAV sein).

Soll die NE4 rückwegfähig sein, sind statt normaler TAD (Teilnehmeranschlussdosen) mit TV- und Rundfunk-Ausgang Multimedia-Anschlussdosen (MMADo) erforderlich, die ähnlich wie eine Antennensteckdose für Satellitenempfang einen weiteren Anschluss für das Kabelmodem besitzt. Außerdem werden Rückwegsperrfilter notwendig, für die Teilnehmer, die den Rückweg nicht nutzen. Dazu muss der HAV über einen Rückwegverstärker mit Bandpassfilter für den Rückwegfrequenzbereich verfügen und ein Potentialausgleich hergestellt werden, der zwingend nötig ist.

Hausanschlussverstärker HAV

Seine Aufgabe ist es, das am HÜP ankommende Signal so hoch zu verstärken, dass die Verteildämpfung in der NE4 so ausgeglichen wird, dass auch an der am weitesten entfernten TAD noch der geforderte Mindestpegel in ausreichender Signalqualität anliegt.

Potentialausgleich PA

Da der Potentialausgleich nach DIN VDE 0100-410 ausnahmslos vorgeschrieben ist, darf eine BK-Anlage ohne vorschriftsmäßigen PA nicht gebaut bzw. betrieben werden. Dabei werden im Kabelnetz alle aktiven und passiven Komponenten dauerhaft mit PA-Leitungen (4mm²/ grüngelb isoliert) an eine PA-Schiene elektrisch leitend zusammengeführt und dann mit dem Hauptpotentialausgleich verbunden. Es muss auch beim Ausbau einer Komponente der PA in der kompletten NE4 erhalten bleiben, nur bei den TAD übernimmt der Kabelschirm die Funktion des PA. Alle Kabel müssen grundsätzlich durch Erdungsbleche oder -blöcke geführt werden. Weiterhin entfällt der zusätzliche PA zwischen den Komponenten, wenn die Bauteile in einen Verteilerschrank mit metallischer Rückwand montiert sind. Dann muss nur der Verteilerschrank an den PA angeschlossen werden.

Triple Play

Unter Triple Play versteht man die gleichzeitige Nutzung von Fernsehen/Radio, Internet und Telefon. Dies funktioniert über die Kabelnetze, die mittlerweile rückkanalfähig also bidirektional sind. Dadurch lassen sich mittels Kabelmodem über das Fernsehkabel Dienste wie das Breitband-Internet nutzen. Dafür werden in Neubauten Multimediaanschlussdosen verbaut, in Altanlagen werden häufig Anschlussadapter für die TAD verwendet. Diese enthalten einen Filter, der das Datensignal aus dem vorhandenen Signal extrahiert und es über einen dritten Anschluss zur Verfügung stellt.

Siehe auch: