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Aussenwand Massivholz

Abb. 1 Massivholz Außenwände aus Brettsperrholzelementen

Grundlagen

Der Massivholzbau unterscheidet sich von anderen Holzbauweisen, wie dem Skelett- oder Holzrahmenbau, durch einen durchgehend massiven Elementaufbau. Bei Massivholz-Aussenwänden handelt es sich um meist vorgefertigte Bauteile, die je nach Bauvorhaben im gewünschten Format produziert werden. Die Elemente weisen aufgrund der CNC-gesteuerten Fertigung eine hohe Passgenauigkeit auf und können individuell für verschiedenste Grundrisse und Bauteilgeometrien produziert werden.

Anders als beim Holzrahmenbau sind die Systeme an kein Raster gebunden, in der Regel wird jedoch mit herstellerabhängigen Produktionsrastern gearbeitet. Je nach Hersteller sind Außenwandelemente von 12 cm bis 28 cm Dicke sowie 3,10 m und bis zu 14,50 m Länge lieferbar. (Sondermaße sind möglich).

Wandaufbau

Wandelemente

Massivholzelemente sind flächige Bauteile, die in der Regel die Funktion einer Wandscheibe übernehmen und sowohl vertikale- als auch horizontale Lasten abtragen können. Die Aussteifung der Wände geschieht also durch die Massivholzelemente selbst. Das Aufbringen einer zusätzlichen aussteifenden Beplankung, wie bei Holzrahmenbauwänden ist hier in der Regel nicht nötig. Genau wie bei Holzrahmenbauwänden ist aber auch bei Massivholzwänden eine Wandscheibenendverankerung notwendig, um das Abtragen der auf die Wandscheibe wirkenden Kräfte zu gewährleisten.

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Abb. 2 Wandscheiben-Endvernkerung einer Brettsperrholzwand
Quelle: Bubiza

Raumseitiger Aufbau

Aussenwände können innen sichtbar ausgeführt werden oder genau wie im Holzrahmenbau eine raumseitige Bekleidung mit oder ohne Installationsebene erhalten. Bei Ausführungen mit hohem Vorfertigungsgrad und genauer Abstimmung mit der Haustechnikplanung ist es auch möglich Installationsleitungen, wie z.B. Elektrokabel, in der Wand selbst zu verlegen. Hierfür werden dann die entsprechenden Kabelkanäle in das Massivholzelement eingefräst.

Dämmung

Häufig werden Massivholz Aussenwände mit Wärmedämmverbundsystemen aus Holzfaserdämmplatten in Stärken zwischen 10 cm und 16 cm gedämmt. Werden größere Dämmstärken verlangt, sind auch Ausführungen mit zusätzlich aussen angebrachten und ausgedämmten Konstruktionen (z.B. ausgeflockte TGI Träger) gängig.

In der Fassadenausführung und Gestaltung unterscheiden sich Massivholzwände in der Regel nicht von Holzrahmenbauwänden. Hier haben sich die gleichen Varianten an Aussenwandbekleidungen und Wärmedämmverbundsystemen bewährt.

Systeme

Ihrem Aufbau nach werden verschiedene Massivholzsysteme unterschieden.

  • Brettsperrholzelemente
  • Brettstapelelemente
  • (Elemente aus Holzwerkstoffplatten)

Brettsperrholz (BSP / CLT)

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Abb. 3 Brettsperrholzelemente

Brettsperrholz, auch BSP oder CLT (cross laminated timber) genannt, besteht aus mindestens drei kreuzweise miteinander verklebten Lagen, aus in Längsrichtung miteinander keilverzinkten nebeneiander liegenden Schnittholzbrettern. Die kreuzweise Verklebung hat den Vorteil, dass das Quell- und Schwindverhalten des Elements auf ein Minimum reduziert wird. Auch hier sind die Elemente in der Fläche luftdicht, können also genau wie verklebtes Brettstapelholz als luftdichte Ebene eingesetzt werden und ermöglichen einen völlig Folienfreien Wandaufbau. Lediglich die Elementstöße werden üblicherweise mit diffusionsoffenen Klebebändern abgeklebt.

Die einzelnen Herstellungsschritte sind nachfolgend vereinfacht aufgeführt:

Zuschnitt, Hobeln, Sortieren und Keilzinken der einzelnen Bretter

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Auslegen der Brettlagen

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Verklebung der kreuzweise angeordneten Lagen (mindestens 3)

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Pressung

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Abbund (z.B. Ausschnitt von Tür- und Fensteröffnungen, Fräsungen, Falzungen, etc.), evtl. Oberflächenbehandlung bei Sichtelementen

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Abb. 4-8 Herstellung von BSP-Elementen
Quelle: Bubiza

Brettstapelholz

Hier bestehen die einzelnen Lamellen der Wand aus hochkant gestellten Brettern, Bohlen oder Kanthölzern, die in der Regel über die gesamte Elementlänge ungestossen durchlaufen oder durch Keilzinkenstösse miteinander verbunden sind. Die Lamellen können sägerau, egalisiert oder gehobelt sein und haben eine Dicke von bis zu 60 mm. In Querrichtung sind die einzelnen Lamellen durch Verbindungsmittel (Metall oder Holz) oder Kleber miteinander verbunden.

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Abb. 9 Brettstapelholz
Quelle: Bubiza

Besonders vorteilhaft für die weitere Bearbeitung der Elemente mit Holzbearbeitungsmaschinen sind Dübelholzelemente, hier erfolgt die Verbindung der Lamellen mittels Stabdübeln aus Holz.

Geklebte Elemente haben zudem noch den Vorteil, dass sie in der Fläche luftdicht sind und bei entsprechender Fugenausbildung auf die Anordnung einer zusätzlichen luftdichten Schicht verzichtet werden kann.

Elemente aus Holzwerkstoffplatten

Diese Elemente bestehen aus Holzwerkstoffplatten (meist OSB), die mehrschichtig zu dicken, tragenden Bauteilen verklebt sind. Generell finden diese Elemente aber eher selten Anwendung.