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Bauteil Sturz - Betonbauweise

Allgemeines

Ein Betonsturz in einer tragenden Wand ist eine Alternative für zum Beispiel einen Stahlträger und wird bei Wanddurchbrüchen durch tragende Wände benutzt, damit das Gebäude weiterhin statisch korrekte Standkraft hat. Betonstürze finden ihren Einsatz oft bei Arbeiten mit Kalksandsteinen oder Zementsteinen. Betonstürze aus Stahlbeton können entweder als Fertigteil direkt auf der Baustelle angeliefert werden oder individuell vor Ort aus Beton mit Stahleinlage gegossen werden. In diesem Artikel wird sich mit dem individuell herstellbaren Sturz aus Ortbeton näher beschäftigt, der auf der Baustelle mithilfe einer Holzverschalung und vor Ort eingebauten Beton mit manuellem Einlegen der Stabstähle angefertigt wird.

Herstellung in Ortbetonbauweise

Herstellen der Holzverschalung

Aus Schalungsbrettern und Nägeln lässt sich schnell die Schalung, also die „Form“, für einen Fenstersturz ausreichend stabil herstellen. Für die Dimensionierung des Sturzes sowie entsprechender Auswahl und Lage der Bewehrung sollte ein Statiker o.ä. beauftragt werden.

Abb.1: Herstellung einer Holzverschalung (Quelle: online unter perfektheimwerken.de)

Bewehrung herstellen

Zum Aufnehmen der Zugkräfte im Sturz muss in den Beton Stahl eingebaut werden. Bewehrungsstabstähle werden meist aus konstruktiven Gründen als Haken ausgebildet. Um diese Hakenform zu bekommen, muss der Bewehrungsstabstahl gebogen werden. Da das Biegen von Hand sehr mühsam bzw. kaum möglich ist, sollte man am besten das Biegen mit einem dafür geeigneten Gerät tätigen.

Abb.2: Herstellung der Bewehrung (Quelle: online unter perfektheimwerken.de)

Beton und Bewehrung einbauen

Damit das Ausschalen später erleichtert wird, sollte vor dem Beton einfüllen die Holzverschalung mit Schalungsöl bestrichen werden. Dies hat den Zweck, dass Holz und Beton nicht zu sehr aneinander kleben bleiben.

Abb.3: Auftrag des Schalöls (Quelle: online unter perfektheimwerken.de)

Nach erfolgter Vorbereitung der Schalung für den Betoneinbau wird eine gleichmäßig dicke Schicht (z. B. 4 cm stark) des Betons gewünschter Zusammensetzung in die Holzverschalung eingefüllt und glattgestrichen. Anschließend wird der gebogene Betonstab-stahl in gewünschter Anzahl in den Beton leicht eingedrückt. Es ist dabei zu beachten, dass der Beton die Betonstähle um ein Mindestmaß bedecken muss (Mindestbetondeckung), um

  • die Übertragung von Verbundkräften zwischen Bewehrung und Beton (Verbund) sicherzustellen,
  • den einbetonierten Stahl vor Korrosion zu schützen (Dauerhaftigkeit),
  • die Bewehrung gegen Brandeinwirkung unter Berücksichtigung von DIN EN 1992-1-2 zu schützen (Feuerwiderstand).

Abb.4: Einbau der Bewehrung (Quelle: online unter perfektheimwerken.de)

Weiterführende Informationen zur Berechnung der Betondeckung unter Berücksichtigung der Mindestbetondeckung und des Vorhaltemaßes finden Sie hier.

Ohne die Bewehrung zu verschieben, wird der restliche Beton bis zur gewünschten Höhe in die Schalung eingefüllt und die Oberfläche mit einer Leiste glattgestrichen. Der Beton zur Herstellung des Sturzes verbleibt nun mehrere Tage bis zum Ausschalen in der Form.

Abb.5: Betonieren des Sturzes (Quelle: online unter perfektheimwerken.de)

Ausschalen

Während des Abbindens muss darauf geachtet werden, dass der Beton ausreichend feucht gehalten wird, um nicht auszutrocknen. Wenn der Zeitpunkt des Ausschalens gekommen ist und der Beton für den Weiterbau ausreichend erhärtet und damit belastbar ist, wird der Sturz aus der Schalung genommen. Das zuvor aufgetragene Schalöl hilft beim Entfernen des Schalungsholzes.

Abb.6: Ausschalen des Sturzes (Quelle: online unter perfektheimwerken.de)

Der Zeitpunkt des Ausschalens ist abhängig von der Bauteilstärke, Betonqualität (Betonmischung, Verdichtung etc.) und Witterung (Lufttemperatur, relative Luftfeuchtigkeit. Als Richtwert zum Ausschalen bei einem Sturz mit über 10 Grad Celsius Außentemperatur und der Festigkeitsklasse 32,5 N des Zements kann bspw. ein Richtwert von drei Tagen angenommen werden.

Herstellung als Fertigteil

Werden Zementsteine oder Kalksandsteine für das Mauerwerk verwendet, ist ein Betonsturz üblich. Diesen gibt es in linearen oder nicht-linearen Längen, er kann aber bis zu einer Länge von 3,49 Meter passend gegossen werden. Soll er stärkere Lasten tragen, wird entweder eine stärkere Bewehrung eingebaut oder Beton mit einer speziellen Rezeptur verwendet. Wird ein individueller Sturz gegossen, ist der Mehraufwand dafür einzukalkulieren.

Die Herstellung des Betonsturzes funktioniert analog zur allgemeinen Betonherstellung.

Abb.7: Betonfertigteilsturz (Quelle: online unter https://www.betonwerk-keienburg.de/betonstuerze)

Hier finden Sie weitere Informationen zur Herstellung von Beton

Normen und Richtlinien

Entsprechende Beschreibungen mit statischer Berechnung der Firma PBS Programm-vertriebs GmbH mit Stürzen der Firma Wienerberger sind in den nachfolgenden PDF-Dokumenten zu finden.

38Y Flach-/Fertigteilsturz: PDF-Dokument

22M Ziegel-/Wärmedämmsturz: PDF-Dokument

Neben Flachstürzen kommen für höhere Übermauerungen auch oftmals Überlagen zum Einsatz. Das entsprechende PDF-Dokument der Firma Wienerberger zeigt die technischen Daten, Detailzeichnungen, Verarbeitungshinweise sowie Einbautipps für Porotherm Stürze und Überlagen.

Faustformel zur Berechnung

Als Faustformeln für Sturzmaße können folgende Richtwerte angenommen werden:

  • Sturzlänge = lichte Breite der Mauerwerksöffnung + 50 cm (links und rechts jeweils 25 cm)
  • Sturzbreite = Wandtiefe
  • Je größer die Auflagefläche, desto besser verteilt sich die Last
  • Nichttragende Wände = 2/3 der Wandtiefe